Change-Kommunikation – oder Veränderungskommunikation – setzt nicht erst dann ein, wenn Entscheidungen getroffen wurden und Mitarbeitende darüber informiert werden sollen.
Change-Kommunikation entscheidet mit darüber, ob neue Arbeitswelten, Strategien und Transformationsprojekte in Unternehmen verstanden, akzeptiert und tatsächlich umgesetzt werden. Am 16. Juli 2026 nahm Yeliz Kavak-Küstner am UnternehmerAbend des BVMW Nordbaden-Rhein Neckar bei der SRH RPK Karlsbad GmbH teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmen auch unter wachsendem wirtschaftlichem Druck leistungsfähig bleiben können, ohne Menschen, Teams und Organisationen dauerhaft zu überfordern.
Ein persönlicher Anlass für ihre Teilnahme war der Vortrag von Nadine Laule, Managing Partner bei futureoffice. Zugleich nutzt Yeliz Kavak-Küstner die Veranstaltungen des BVMW gezielt für den fachlichen Austausch mit Unternehmer:innen und Führungskräften aus der Region. Eine Mitgliedschaft im BVMW ist bereits in Planung.
Die verschiedenen Beiträge des Abends betrachteten Leistungsfähigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven: vom systematischen Risikocheck über die Handlungsfähigkeit von Teams bis hin zu psychischer Stabilität, beruflicher Wiedereingliederung und zukunftsfähigen Arbeitsumgebungen.
In der von Gertrud Hilser, Repräsentantin des BVMW Baden-Württemberg, moderierten Gesprächsrunde wurde deutlich, dass nachhaltige Leistungsfähigkeit nicht durch einzelne Maßnahmen entsteht. Unternehmerische Risiken, Führung, Teamkultur, Gesundheit und Arbeitsumgebung müssen gemeinsam betrachtet werden.
Neue Arbeitswelten beginnen nicht mit der Raumplanung
Für Yeliz Kavak-Küstner knüpft diese Diskussion unmittelbar an eigene berufliche Erfahrungen an. Sie hat selbst erlebt, wie tiefgreifende Veränderungen von Arbeitsumgebungen geplant und umgesetzt wurden, ohne die betroffenen Menschen und Führungskräfte ausreichend einzubeziehen.
Neue Büro- und Arbeitskonzepte werden in Unternehmen noch immer häufig am Reißbrett entwickelt. Geschäftsführungen entscheiden über offene Raumstrukturen, flexible Arbeitsplätze oder neue Formen der Zusammenarbeit. Die Umsetzung wird anschließend an Führungskräfte delegiert, die zuvor selbst kaum in den Entwicklungsprozess eingebunden waren.
Die Mitarbeitenden sollen sich schließlich in einer offenen Arbeitswelt zurechtfinden, obwohl über Jahrzehnte eine Kultur fester Büros und klar abgegrenzter Zuständigkeiten gelebt wurde.
Der Fehler liegt in solchen Fällen nicht zwangsläufig im Raumkonzept. Er liegt häufig im Veränderungsprozess.
Arbeitsumgebungen beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation, Konzentration, Zugehörigkeit und Führung. Wer Räume verändert, greift deshalb immer auch in bestehende Verhaltensweisen, Machtstrukturen und kulturelle Gewohnheiten ein.
Eine neue Fläche allein erzeugt noch keine neue Zusammenarbeit.
Motivation lässt sich nicht räumlich verordnen
Vertieft wurde dieser Gedanke bei einer weiteren Veranstaltung von futureoffice am 23. Juli 2026 in Karlsruhe. Unter dem Titel „Zukunftsräume für Motivation“ ging es um wirksame Arbeitswelten als strategischen Wettbewerbsvorteil.
Die Vorträge und Diskussionen zeigten, dass Motivation aus dem Zusammenspiel von Kultur, Führung, Organisation und physischem Umfeld entsteht. Arbeitswelten müssen daher aus den tatsächlichen Bedürfnissen von Menschen und Organisationen entwickelt werden. Zusammenarbeit, Rückzug, Orientierung und Bewegung benötigen jeweils geeignete räumliche und organisatorische Voraussetzungen.
Im Austausch mit den anwesenden Akteurinnen und Akteuren diskutierte Yeliz Kavak-Küstner insbesondere die typischen Stolpersteine solcher Veränderungsprozesse:
- Entscheidungen werden ohne die späteren Nutzerinnen und Nutzer getroffen.
- Führungskräfte sollen Veränderungen vermitteln, die sie selbst nicht mitgestalten konnten.
- Raumkonzepte werden mit kulturellem Wandel gleichgesetzt.
- Widerstände werden als mangelnde Veränderungsbereitschaft bewertet, statt ihre Ursachen zu untersuchen.
- Kommunikation beginnt erst, wenn die wesentlichen Entscheidungen bereits gefallen sind.
Gerade der Wechsel von einer ausgeprägten Closed-Door-Kultur zu einer offenen Arbeitsumgebung lässt sich nicht durch neue Möbel, Glaswände oder Desksharing vollziehen. Er benötigt eine nachvollziehbare Zielsetzung, echte Beteiligung, klare Führungsprinzipien und eine Kommunikation, die nicht nur informiert, sondern Orientierung schafft.
Veränderungskommunikation braucht unternehmerisches Verständnis
Für die Arbeit der KOMKüche ist dieses Thema besonders relevant. Strategische Kommunikation setzt nicht erst bei der Ankündigung eines neuen Raumkonzepts ein. Sie beginnt mit der Frage, welches unternehmerische Problem gelöst werden soll und welche Auswirkungen die geplante Veränderung auf Menschen, Führung, Zusammenarbeit und Unternehmenskultur hat. Erst wenn diese Zusammenhänge verstanden sind, kann Kommunikation ihre eigentliche Aufgabe erfüllen:
Dabei verstehe ich Change-Kommunikation als kommunikativen Teil des Change Managements: Sie übersetzt Veränderungsziele in nachvollziehbare Botschaften, schafft Orientierung für Führungskräfte und Mitarbeitende und begleitet den Wandel über die unterschiedlichen Projektphasen hinweg.
Sie schafft Klarheit über Ziele und Konsequenzen. Sie macht unterschiedliche Interessen sichtbar. Sie befähigt Führungskräfte, Veränderungen glaubwürdig zu vertreten. Und sie gibt Mitarbeitenden die Möglichkeit, den Wandel nicht nur hinzunehmen, sondern einzuordnen und mitzugestalten.
Die beiden Veranstaltungen haben gezeigt, dass Leistungsfähigkeit, Motivation und moderne Arbeitswelten nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Unternehmen, die langfristig handlungsfähig bleiben wollen, müssen wirtschaftliche Anforderungen mit tragfähigen Strukturen, geeigneten Arbeitsumgebungen und einer glaubwürdigen Veränderungskommunikation verbinden.
Ein besonderer Dank gilt dem BVMW Baden-Württemberg, der SRH RPK Karlsbad GmbH, allen Referent:innen sowie Nadine Laule und dem Team von futureoffice für die fachlichen Impulse und den offenen Austausch.
Bildhinweis: Das Veranstaltungsfoto wurde vom BVMW zur Verfügung gestellt und zeigt Yeliz Kavak-Küstner gemeinsam mit Nadine Laule, Sven Küstner und Marta Lüthge.
Foto: Alexander Fischer / BVMW