Warum Dialogformate Führungsthemen sichtbar machen
WUT TUT GUT war mehr als ein Veranstaltungsabend zu Emotionen. Das Format griff Fragen auf, die gerade für Frauen in Führung relevant sind: Wie werden Grenzen wahrgenommen und kommuniziert? Welche Rolle spielen Emotionen in beruflichen Situationen? Und wie lassen sich Erfahrungen so teilen, dass daraus neue Perspektiven entstehen? Für die MarketingFrauen Rhein-Neckar lag der Wert deshalb im offenen, moderierten Austausch zwischen unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Erfahrungsstufen.
Strategische Eventkommunikation beginnt für mich bereits bei der Eventkonzeption. Thema, Zielgruppe, Dramaturgie, Moderation und anschließende Kommunikation müssen zusammenpassen. Ein Dialogformat funktioniert dann, wenn es Menschen nicht nur informiert, sondern Beteiligung ermöglicht und einen relevanten Gesprächsraum schafft. Gerade bei Themen wie Frauen in Führung, Sichtbarkeit oder Unternehmenskultur kann ein gut konzipiertes Format damit Teil einer größeren Kommunikationsstrategie werden – und über den eigentlichen Veranstaltungstag hinaus Wirkung entfalten.
Der Auftakt der Marketing Frauen Rhein-Neckar im Jahr 2026 stand unter dem Leitgedanken:
„WUT TUT GUT – denn sie macht MUT.“
Yeliz Kavak-Küstner, Gründerin der KOMKüche, und Melissa Sacher hatten das Veranstaltungsformat gemeinsam konzipiert und organisiert. Das Thema traf erkennbar den Nerv der Community: Alle angemeldeten Teilnehmerinnen erschienen, und die Rückmeldungen zum Abend waren durchweg positiv.
Veranstaltungsort war das Peter und Traudl Engelhorn Haus der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Die besondere Verbindung von Kunst, Emotion und beruflicher Reflexion schuf den passenden Rahmen für einen intensiven und zugleich persönlichen Austausch.
Kunst zwischen Schönheit und Verletzlichkeit
Den Auftakt bildete eine exklusive Führung durch die Ausstellung „GLASMENAGERIE“. Kuratorin Eva-Maria Günther führte die Teilnehmerinnen durch die Arbeiten der internationalen Künstlerin Marta Klonowska.
Ihre aus scharfkantigen Glasscherben gefertigten Tierfiguren wirkten zugleich kraftvoll und verletzlich. Schönheit, Präzision, Anziehung und eine unterschwellige Gefahr standen in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander.
Diese Ambivalenz bot zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Lebens- und Arbeitsrealität vieler Frauen: hoher persönlicher Einsatz, Verantwortung, Leidenschaft und Präzision – häufig verbunden mit Mehrfachbelastungen im beruflichen und privaten Alltag.
Der künstlerische Einstieg führte unmittelbar zur zentralen Frage des Abends:
Was, wenn Wut kein Makel ist, sondern ein Wegweiser?
Wut als intelligentes Signal
Im anschließenden interaktiven Vortrag zeigte Emotionscoach Marta Lüthge, dass Wut weder Schwäche noch Kontrollverlust sein muss. Sie ist zunächst eine klare und kraftvolle Emotion – und häufig ein Hinweis darauf, dass persönliche Grenzen überschritten oder wichtige Bedürfnisse nicht berücksichtigt wurden.
Die Teilnehmerinnen wurden gezielt in den Vortrag einbezogen und beschäftigten sich mit zwei Fragen:
Was macht mich eigentlich wütend?
Und welcher konkrete Auslöser oder Konflikt liegt dahinter?
Marta Lüthge griff einzelne Situationen auf und entwickelte daraus individuelle Impulse. Statt allgemeiner Coachingformeln entstanden konkrete Ansätze, die sich an der jeweiligen Person und ihrer Situation orientierten.
Eine Teilnehmerin wurde dazu ermutigt, ihre Haltung klar und unmittelbar auszusprechen. Eine andere erarbeitete Schritt für Schritt, welche Bedürfnisse und Grenzen hinter ihrer Reaktion standen. Die Wege waren unterschiedlich, das Ziel jedoch vergleichbar: mehr innere Klarheit und die Fähigkeit, künftigen Herausforderungen selbstbewusster zu begegnen.
Emotionen beeinflussen Kommunikation und Führung
Der Abend zeigte, wie eng Emotionen, Kommunikation und berufliches Handeln miteinander verbunden sind. Wer eigene Reaktionen frühzeitig erkennt und richtig einordnet, kann Grenzen klarer formulieren, Konflikte bewusster ansprechen und in anspruchsvollen Situationen handlungsfähig bleiben.
Gerade im beruflichen Umfeld wird Wut häufig verdrängt oder negativ bewertet. Dadurch verschwindet ihre Ursache jedoch nicht. Sie zeigt sich stattdessen möglicherweise in Rückzug, Frustration, Missverständnissen oder ungelösten Konflikten.
Eine bewusste Auseinandersetzung mit Emotionen kann deshalb auch die Zusammenarbeit und Kommunikation in Unternehmen verbessern. Sie schafft die Grundlage dafür, Erwartungen, Grenzen und unterschiedliche Perspektiven frühzeitig zur Sprache zu bringen.
Am Ende des Abends konnte jede Teilnehmerin eine persönliche Erkenntnis oder einen konkreten Impuls für ihre berufliche und private Zukunft mitnehmen. Gleichzeitig blieb ausreichend Raum für Leichtigkeit, Austausch und gemeinsames Lachen.
Ein besonderer Dank gilt Emotionscoach Marta Lüthge für den intensiven und persönlichen Vortrag, Kuratorin Eva-Maria Günther für die Führung durch die Ausstellung, Fotografin Sandy Kuszyk für die fotografische Begleitung sowie den Reiss-Engelhorn-Museen für den außergewöhnlichen Veranstaltungsrahmen.
Mehr dazu auf: „Zwischen Marketing, Kunst und Emotion.“ – MC Rhein-Neckar
Foto: Sandy Kuszyk / Marketing Club Rhein-Neckar